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Vier Sterne sind nicht gleich vier Sterne: Kategorien in anderen Ländern

Das Sterne-Bewertungssystem für Hotels ist für Urlauber und Geschäftsreisende oft sehr verwirrend. Vor allem im Ausland ist die Enttäuschung groß, weil sich der Reisende unter dem 4-Sterne-Hotel etwas ganz anderes vorgestellt hat, als er letztendlich antrifft. Der häufigste „Fehler“, der gemacht wird, ist der Vergleich ausländischer Unterkünfte mit dem Standard deutscher Hotel- und Ferienanlagen. Außerdem wird meist nicht berücksichtigt – oder ist teilweise auch gar nicht bekannt – dass der offiziell verliehene Hotelstern nicht mit Sternen, Sonnen oder anderen Symbolen zu vergleichen ist. Da Sterne-Bewertungen von Reiseveranstaltern, Reiseführern oder Zeitschriften nach eigenen Systemen durchgeführt werden, haben sie auch nichts mit dem Bewertungssymbol „Hotelstern“ gemein. Die Zertifizierung und Klassifizierung von Hotels nach Sternen ist international zudem keiner einheitlichen Regelung unterworfen. In Europa werden maximal 5 Sterne verliehen. Einige Länder vergeben bis zu sieben Sterne. Das ist abhängig vom Zertifizierungsunternehmen, welches die Sternvergabe durchführt.

In Deutschland ist der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) seit dem 01.08.1996 für die Sterne-Vergabe zuständig. Über 8.000 Hotels wurden bislang in fünf Kategorien klassifiziert. Die große Mehrzahl (90%) der Hotels wurde mit drei oder mehr Sternen bewertet. Das ist doch sehr beruhigend, gilt doch ein Drei-Sterne Hotel als gutes Mittelklassehotel mit einem gewissen Komfort.

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Hotelklassifizierung mittlerweile in Belgien, Dänemark, Griechenland, Italien, Malta, den Niederlanden, Portugal, Spanien und Ungarn. In allen anderen europäischen Ländern ist sie freiwillig. In Skandinavien gibt es beispielsweise in Finnland und Norwegen keine offiziellen, einheitlichen Kategorisierungssysteme. Im Jahr 2010 haben sich nach langen Verhandlungen die Hotelverbände nachfolgender Nationen zusammengeschlossen (Hotelstars Union) und eine Vereinheitlichung der Bewertungsmaßstäbe umgesetzt:

Deutschland, Niederlande, Österreich, Schweden, Schweiz, Tschechien, Ungarn

Die Hotels dieser Länder lassen sich sehr gut untereinander vergleichen. Auch Frankreich, Spanien, Portugal und Großbritannien haben ihre Vergabekriterien weitgehend den deutschen Maßstäben angenähert.
Südeuropa sieht vieles nicht so eng – auch die Sternevergabe.

Ganz anders sieht es bei den Hotels in Südeuropa aus. Hier werden die Sterne, ganz nach südländischer Art, ganz locker und viel großzügiger verliehen. Wird also beispielsweise ein 4*-Hotel in der Türkei mit einem deutschen 4*-Hotel verglichen, ist davon auszugehen, dass dieses Hotel hierzulande nur drei Sterne bekommen hätte. Um auf der sicheren Seite zu sein und den Standard vorzufinden, den sich der Reisende von der Hotel-Klassifizierung verspricht, sollte in den süd- und südosteuropäischen Ländern einfach ein Stern abgezogen werden, um den gewünschten deutschen Standard vorzufinden.

Der gemeinsamen Hotelklassifizierung liegen 21 Grundprinzipien zugrunde. Hunderte Einzelpunkte unterschiedlicher Kategorien sind in einem Kriterienkatalog zusammengefasst. Darin sind sowohl Mindest- als auch Fakultativkriterien enthalten. Die wichtigsten Bewertungskriterien sind Qualitätsmanagement, Wellness und Schlafqualität. Neben den Sterneklassen 1 – 5 kann zusätzlich das Qualitätsmerkmal Superior (S) verliehen werden. Für den Urlauber sind diese Bewertungskriterien auf den ersten Blick jedoch nicht zu erkennen und größtenteils auch nicht vorrangig wichtig. Außerdem werden Hotels im Ausland auch noch nach landestypischen Kriterien bewertet. Für italienische oder französische Gäste wäre ein Bad ohne Bidet unzumutbar und würde zu Abzügen in der Bewertung führen. In Skandinavien gehört eine Heizung unbedingt zur Grundausstattung eines Hotelzimmers, im Süden Europas ist eine Klimaanlage unverzichtbarer Standard.

Was aus den Sternen zu lesen ist

Welche Informationen bringt die Sternkategorie eigentlich zutage? Sie geben keine Informationen darüber, ob das Personal freundlich und aufmerksam ist, die Zimmer gut gereinigt werden, das Ambiente gepflegt ist und regelmäßig renoviert wird. Oftmals fühlen sich Gäste in einem persönlich geführten Zwei-Sterne-Hotel viel wohler als in einer 4-Sterne-Unterkunft mit unfreundlichen, lustlosen Angestellten. Und dabei haben wir noch nicht über den erheblichen Preisunterschied gesprochen, der zwischen beiden Kategorien liegt. Zudem widerfährt den Sternen kein gesetzlicher Schutz. Rein theoretisch kann sich jedes Hotel als Fünf-Sterne-Haus ausgeben. Deshalb sollten die Gäste vor ihrer Buchung überprüfen, ob die Sterne tatsächlich vom DEHOGA verliehen worden sind.

Stern ist nicht gleich Stern?

Da die Länder unterschiedliche Qualitätsmerkmale für Hotels zugrunde legen, ist diese Erkenntnis leider richtig. Vor allem im Ausland ist auf die Sterne-Kategorisierung nicht wirklich Verlass, da es keine international einheitliche und standardisierte Klassifizierung gibt, die einen direkten Vergleich zulässt. Teilweise gibt es sogar regionale Unterschiede innerhalb eines Landes, wie in Italien. Richtet sich der Reisende nach den Hotelkategorien der Reiseveranstalter, muss er wissen, dass diese meist über eigene Bewertungssysteme verfügen. Vor allem in südlichen Ländern wie Italien, Griechenland und der Türkei sollten ein bis zwei Sterne abgezogen werden, um den gewünschten, mit einem deutschen Hotel vergleichbaren, Hotelstandard vorzufinden. In Spanien und Österreich findet der Urlauber größtenteils gleiches Niveau wie in Deutschland. Höheren Standard bieten die USA und viele asiatische Destinationen.

Wie sind Hotelkategorien auf den ersten Blick einzuschätzen?

Urlauber oder Geschäftsreisende sollten eine Hotel-Kategorie als gute erste Orientierung für oder gegen ein Hotel sehen. Um einen differenzierteren Gesamteindruck vom Hotel zu erhalten, lohnt es sich immer, Hotel- und Zimmerbeschreibungen genauer zu lesen. Wer zwischen den Zeilen lesen kann (wie es auch für Hotelbeschreibungen der Reiseveranstalter empfohlen wird), erkennt sehr schnell, ob das Hotel insgesamt den eigenen Vorstellungen entspricht oder nicht.

Sind Hotelbewertungen im Internet verlässliche Orientierungshilfen?

Zusätzlich „absichern“ können sich Hotelsuchende, wenn sie im Internet Erfahrungsberichte anderer Urlauber und Geschäftsreisender nachlesen. Oftmals werden Kommentare wie „Hotel entsprach keinem 3-Sterne-Standard“ oder „Hotel hat die Erwartungen übertroffen“ abgeben. Vergessen werden sollte dabei allerdings nicht, dass es sich bei diesen Bewertungen immer um subjektive Meinungen handelt. Denn auch hier gilt: Jeder Urlauber setzt andere Maßstäbe, die sich oftmals nicht mit den eigenen Ansprüchen decken. Umso wichtiger ist es, im Vorfeld festzulegen, was von einem Hotel oder einer Appartementanlage erwartet wird und welche Kriterien von besonderer, persönlicher Bedeutung sind. Wird mehr Wert auf exzellentes Essen gelegt, oder sind Wellness- und Sportangebote und die direkte Strandlage auschlaggebende Kriterien für die Hotelwahl?

Und noch ein Tipp!

Für die Auswahl der Unterkunft sollte sich jeder genügend Zeit nehmen und nichts überstürzen. Wem es besonders wichtig ist, auch in südlichen Gefilden eine Top-Unterkunft zu haben, sollte die Messlatte auch bei den Sternen sehr hochlegen und nur 5-Sterne-Unterkünfte wählen. Wer auch viel von Land und Leuten sehen möchte oder den größten Teil des Urlaubs außerhalb der Ferienanlage verbringen wird, ist auch mit einem guten Drei- oder Vier-Sterne-Haus gut beraten. Hotelbeschreibungen und Erfahrungsberichte dienen als Basis dafür, mit großer Wahrscheinlichkeit die richtige Ferienanlage zu finden – und dann steht einem Urlaub unter „sternenklarem“ Himmel doch nichts mehr im Wege!