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Andere Länder, andere Sitten: Was man vorher wissen sollte

Für viele Reisende gehört bei einem Auslandsaufenthalt die Planung der Unternehmungen und Sightseeing Touren mit zur Vorfreude auf den Urlaub. Dank vieler Reiseberichte im Internet ist es möglich, sich schon vorab in Gedanken in ein fremdes Land zu begeben. Viele Reiseführer haben leider das Manko, dass sie sich zu sehr um Sehenswürdigkeiten und Ausflugsmöglichkeiten und dabei ganz vergessen, dass viele Touristen auch mit den Menschen im Reiseland in Kontakt kommen wollen. Und gerade dort warten große Fettnäpfchen, die einfach vermieden werden können, wenn die Information vorab stimmt.

Schon wenn Sie ein Geschäft oder ein Restaurant betreten, können Sie einiges falsch machen. Die Begrüßung sorgt für einen ersten Eindruck – und der kann so schlecht sein, dass Sie ihn nicht wieder gutmachen können. Daher ist es wichtig, sich schon bei der Begrüßung korrekt zu verhalten. In Europa wird die Begrüßung immer wärmer, je mehr Sie sich in Richtung Süden begeben. Während im Norden, wie etwa in Großbritannien, noch ein einfaches „How are you?“ ohne Körperkontakt die Regel ist, geht es in Italien und Spanien weitaus warmherziger zu. Natürlich reicht auch hier in den Geschäften ein einfacher Gruß. Wenn Sie sich allerdings zu einem Essen im Restaurant begeben, dürfen Sie spätestens beim dritten Besuch davon ausgehen, herzlich mit Umarmungen und Küssen auf die Wange begrüßt zu werden.

Anders kann es da schon in Asien zugehen. Respekt ist hier die wichtigste Komponente im alltäglichen Miteinander und sollte auch von Ausländern respektiert und eingehalten werden. Einen Inder können Sie mit einem Handschlag aufs Übelste beleidigen, nämlich dann, wenn Sie ihm dazu die linke Hand reichen. Die linke Hand gilt hier traditionell als unrein, weil man Sie zur Reinigung nach dem Stuhlgang nutzt. Geben Sie also in Indien immer nur die rechte Hand, oder grüßen Sie traditionell mit vor der Brust aneinandergelegten Händen und einer leichten Neigung des Kopfes. Ähnlich laufen die Begrüßungen auch in Japan und China, nur wird hier die Verbeugung tiefer ausgeführt und lässt unter Einheimischen auch Rückschlüsse auf deren gesellschaftliche Stellung zu. Der Rangniedrigere bückt sich stets tiefer als der Ranghöhere.

Überall auf der Welt wird gutes Benehmen im Restaurant und beim Essen sehr geschätzt. Problematisch ist dabei der Umstand, dass gutes Benehmen nicht überall gleich definiert wird. Was also in Europa schicklich ist, sollten Sie in Asien lieber nicht tun und umgekehrt.

In Frankreich sollten Sie nach dem Betreten eines Restaurants immer auf die Bedienung warten, die Sie zum Tisch führt. Im Hinblick auf Essen und Trinken ist es für Europäer vor allem in Asien schwierig, nichts falsch zu machen. In Indien gilt auch beim Essen: Auf keinen Fall die unreine linke Hand benutzen. Sollten Sie das Glück haben, zu einem Privatessen eingeladen zu werden, dann bringen Sie auf keinen Fall ein Geschenk mit. Was Sie gut meinen, ist für den Gastgeber eine tiefe Beleidigung. Fragen Sie am besten im Hotel oder bei der Reiseleitung nach, was landesüblich ist.

Beim Essen selber gelten in Asien andere Anstandsregeln als in Europa. Sie dürfen sich schlichtweg mehr erlauben, was in Europa verpönt ist. Sowohl Schlürfen als auch Schmatzen gehören in Japan und China zu einem guten Essen und bekunden dem Koch und Gastgeber, wie schmackhaft die zubereiteten Speisen sind. Bedienen Sie sich nicht selber, sondern warten Sie immer auf den Gastgeber. Was auf dem Teller landet, sollten Sie auch dann verspeisen, wenn es ihnen nicht schmeckt. Ein nicht vollständig geleerter Teller ist in Japan und China ein Affront gegenüber den Kochkünsten des Gastgebers.

Ein letzter Fehler kann ihnen im Restaurant noch beim Trinkgeld unterlaufen. Was in Asien absolut unüblich ist und mancherorts sogar beleidigend wirkt, ist in Europa und Amerika fast schon Pflicht. In Europa sind 10% der Rechnungssumme als Trinkgeld immer noch üblich. Dennoch gehört das Trinkgeld manchmal schon zum Service. Wird darauf in der Karte ausdrücklich hingewiesen, sollten Sie kein extra Trinkgeld geben.

In Nordamerika darf es gern etwas mehr Trinkgeld sein. 20% sind durchaus angemessen. Verlangen Sie nie eine getrennte Rechnung. Die amerikanische Großzügigkeit zwingt einen der Anwesenden, die Rechnung für den gesamten Tisch zu übernehmen. Natürlich kann man das dann später untereinander wieder ausgleichen.

Nicht nur in Deutschland angebrochen, auch in vielen anderen Ländern dieser Welt sind für Raucher schwere Zeiten angebrochen. Auch in Amerika, Großbritannien, Irland, Italien und Spanien ist das Rauchen in Restaurants verboten. In Amerika sollte außerdem auch auf Alkohol in der Öffentlichkeit verzichtet werden.

Die Türkei als islamisches Land stellt besondere Anforderungen an die Kleidung der Frauen. Als Tourist sollte man sich dort auf keinen Fall allzu freizügig zeigen, denn dies verletzt das sittliche Empfinden der Einheimischen. Nacktbaden oder barbusig sonnen am Strand ist absolut tabu. Letzteres gilt auch für viele andere Strände dieser Welt, so etwa in den USA, Indien oder Brasilien. Fehler können Sie hier einfach umgehen, indem Sie sich an den anderen Badegästen orientieren.

In den islamischen und asiatischen Ländern sollte man sich beim Austausch von Zärtlichkeiten zurückhalten. Öffentliche Küsse sind nicht gern gesehen. Und auch bei körperlichen Gesten ist Vorsicht und Nachdenken angesagt. „Alles Okay“ wird in Deutschland gern mit dem Daumen nach oben oder einem mit Zeigefinger und Daumen gebildeten Kreis symbolisiert. Die letztgenannte Geste wird in vielen Teilen Europas als obszön verstanden. Verzichten Sie also lieber darauf. Auch Ihr Gegenüber wird Sie manchmal irritieren. Wenn beispielsweise ein ständig wegblickt oder ein Inder anhaltend verneinend den Kopf schüttelt, dann ist ihre Toleranz gefragt. Denn ihr Gegenüber symbolisiert Ihnen damit keine Verneinung oder Ablehnung, sondern seine aktive Teilnahme am Gespräch. Irritierendes Verhalten gibt es auch in Europa. Wenn ein Grieche mit dem Kopf nickt, meint er Nein, und wenn er ständig „ne“ sagt, dann stimmt er Ihnen zu.

Bei solchen Missverständnissen wird schnell deutlich, dass gutes Benehmen auch im Ausland schwierig ist. Doch mit ein bisschen Gespür für die fremde Kultur und einer feinen Antenne den Menschen gegenüber gelingt es, den Urlaub ohne gröbere Missgeschicke zu verbringen.