Von Flug bis zum Quartier
Reise Shop

Portale für Hotelbewertungen – ein zweischneidiges Schwert

Gerne lässt man sich bei der Entscheidung für ein Hotel von Urlaubern helfen, die genau diese Unterkunft schon einmal besucht haben. Internet-Portale für Hotelbewertungen sind hier eine gute Möglichkeit, Anregungen und Entscheidungshilfen zu finden. Auch anhand dieser Bewertungen kann man sich dann für ein Hotel entscheiden, das von Reisenden gut bewertet wurde.

Nach welchen Kriterien können Hotels in solchen Portalen eigentlich bewertet werden? Es ist meist möglich, Sterne oder Punkte zu verteilen, die sich auf bestimmte Kategorien beziehen. Dies können beispielsweise Lage, Sauberkeit, Service, Essen und auch Ambiente sein. Anhand dieser Punktevergabe ist es gut möglich, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Möchte man dann mehr über das jeweilige Hotel erfahren, kann man zudem meist einen Text lesen, den der Kritiker selbst verfasst hat. So hat eine Hotelbewertung immer zwei Ebenen. Die übersichtliche Ebene, die alleine die Punktevergabe zeigt und die tiefgreifendere, die etwaige Probleme oder Besonderheiten aufzeigt.

Man sollte unbedingt darauf achten, wer den Text verfasst hat. Reist der Autor alleine oder mit Familie oder mit Kindern? Wie alt ist er? Unternimmt er eine Reise privat oder geschäftlich? Und er ist er ein Vielreisender oder Vielflieger? Auch das Reisedatum ist wichtig, denn liegt eine Bewertung allzu weit zurück, ist auch ihre Aussagekraft immer ein wenig fragwürdig. So sind Bewertungen von Menschen, die erst vor kurzem in einer ähnlichen persönlichen Konstellation in das betreffende Hotel gereist sind, definitiv die objektivsten. Da Portale für Hotelbewertungen in der Regel gut besucht sind, findet man meist Bewertungen, die zu den eigenen Umständen passen.

Fairerweise sollte man nicht nur von Bewertungs-Portalen profitieren, sondern sich auch selbst an ihnen beteiligen. Selbst einen Reisebericht und eine Hotelbewertung zu schreiben, ist auf diesem Weg eine gute Hilfe für andere Urlauber, selbst dann, wenn man von einem Hotel abrät. Bei Millionen von Besuchern täglich im Internet könnte man theoretisch jedes Hotel der Welt mit einer Bewertung abdecken. Auch die Betreiber der Portale profitieren von den Bewertungen. Sie werden nicht von den Hotels selbst finanziert, sondern durch das Schalten von Werbeanzeigen und Bannern auf den einzelnen Unter- und Hauptseiten. Da die Besucherzahlen dieser Portale vergleichsweise hoch sind, besteht also keine Gefahr, dass solche Portale bald aus dem World Wide Web verschwunden sein werden. In jedem Fall stellen sie die perfekte Ergänzung zu den Texten und Bildern in Reisekatalogen oder auf Reisewebseiten dar.

Doch die Glaubwürdigkeit von Hotelbewertungs-Portalen wackelt. Auch Hotelbetreiber haben erkannt, dass viele Kundenentscheidungen anhand dieser Bewertungssysteme getroffen werden. Da die Portalbetreiber nicht immer den Inhalt der Bewertungen genau prüfen, können sich schnell geschönte oder sogar unwahre Berichte einschleichen. Man erwartet ein reichhaltiges Frühstück, bekommt aber nur Fertigware. Der Strand, der laut Bewertung nur zwei Minuten zu Fuß entfernt sein soll, kann nur mit dem Bus erreicht werden. Freundlich nennt man es Augenwischerei, richtig ist Wettbewerbsverzerrung. Wenn Hotelbetreiber gar gezielt Texter beauftragen, positive Bewertungen zu schreiben, die objektiv nicht zutreffen, ist dies ein strafrechtlich relevanter Betrug. Als Besucher eines solchen Portals sollte man, wenn man einen solchen Bericht findet, Meldung an den Betreiber machen, sodass dieser den Bericht entfernt und den Verfasser kontaktiert. Die Anonymität des Internet stellt also tatsächlich eine Gefahr für die Objektivität von Hotelbewertungen dar.

Wie kann man erkennen, ob ein Bericht der Wahrheit entspricht? Es gibt verschiedene Maßstäbe zur Orientierung. Berichte, die ausschließlich einwandfreies Deutsch aufweisen und voll des Lobes sind, stehen im Verdacht, bestellt oder zumindest beschönigend zu sein. Vorsicht ist ebenfalls geboten, wenn eine Unterkunft nach einer Reihe schlechter Bewertungen plötzlich nur noch positive Urteile erhält, ohne dass am Hotel Veränderungen vorgenommen wurden. Werden in einem Bericht dagegen auch negative Punkte angesprochen, spricht dies schon eher für einen authentischen Bericht eines „echten“ Urlaubers. So ist blindes Vertrauen, so schlimm dies auch sein mag, in Portalen für Hotelbewertungen nicht ratsam, wenn man tatsächlich einen schönen Urlaub in einem komfortablen Hotel ohne Enttäuschungen verbringen möchte.

Die Portalbetreiber haben das Problem der gefälschten oder bestellten Bewertungen erkannt und versuchen, möglichst gut wahr von unwahr zu trennen. Trotzdem kann sich immer wieder ein bezahlter Texter durch die Reihen mogeln und seine falschen Berichte veröffentlichen. Manches Portal für Hotelbewertungen ist heute auch bestrebt, über Werbemaßnahmen darauf aufmerksam zu machen, dass die eingestellten Bewertungen ausschließlich von „echten“ Urlaubern geschrieben und eingestellt wurden. Dieses Versprechen ist allerdings nicht mehr und nicht weniger als der Versuch, Kunden und Leser zu gewinnen. Die „Garantie“ alleine reicht hierbei also definitiv nicht aus, denn bei der großen Anzahl an Hotelbewertungen, die jeden Tag geschrieben werden, ist es absolut unmöglich, jede einzelne auf ihre Korrektheit zu überprüfen. Erfundene Identitäten sind hier kaum erkennbar.

Ein weiteres Indiz für eine realitätsgetreue Bewertung sind auch Bilder, die der Bewertende an seinen Bericht anhängt. Hier sieht man schnell, ob es sich um professionelle Bilder handelt, oder um solche, die mit einer „Freizeitkamera“ aufgenommen wurden. Neben den Texten und Punktevergaben sind die eingestellten Bilder ein sehr wichtiges Kriterium bei der Durchsicht von Hotelbewertungen. Man erkennt an ihnen nicht nur, ob ein Bericht authentisch ist, sondern hat auch das perfekte Pendant zu den Bildern aus Reisekatalogen. Alles, was dort mit Bildbearbeitung verschönert wurde, findet man bei den Hotelbewertungen vollkommen ungeschminkt.

Wer als Urlauber vor Ort feststellt, dass eine Portalbewertung nicht zutrifft, sollte die Portalbetreiber und auch das Hotel selbst darüber unverzüglich informieren. Es ist jedoch nicht möglich, die Portalbetreiber für einen misslungenen Urlaub verantwortlich zu machen, da diese sich zumeist in ihren Geschäftsbedingungen bereits von den geposteten Inhalten der Hotelbewertungen distanzieren und somit nicht für diese einstehen müssen. Helfen kann dann nur noch der Reiseveranstalter, der die Pflicht hat, sich an seine getroffenen Aussagen und Versprechungen zu halten.

Neben all den zwielichtigen Aspekten, die Hotelbewertungen haben können, sind sie dennoch eine gute Entscheidungshilfe. Tragen die Nutzer dieser Seiten ebenfalls Sorge dafür, dass Falsches von Wahrem getrennt wird, steigt die Anzahl glaubwürdiger Berichte automatisch an. Wie auch in sozialen Netzwerken, sind Portale für Hotelbewertungen also abhängig von der Aktivität ihrer Besucher und deren Bereitschaft, sich an den Inhalten zu beteiligen. So können auch auf diesem Sektor Portale entstehen, die Entscheidungshilfe, Sprachrohr und Austauschplattform in einem darstellen.